Detail - Zukunftsblick

Katholikentag diskutiert über Zukunft des Pfarrgemeinderates

14. Mai 2018

v.l. Dr. Cordula Brechmann, Manuela Mewes, Prof. Dr. Rainer Bucher, Matthias Kolk.

Das Erzbistum hatte zu einem Workshop zum Thema "Der Pfarrgemeinderat in der Midlife Crisis!" eingeladen. Der Titel stieß auf große Resonanz: Der Hörsaal im Fürstenberghaus war bis auf den letzten Platz besetzt.

"Ist der Pfarrgemeinderat zu einem ungeliebten Kind geworden?" Diese Frage stellte Matthias Kolk, Referent für Rätearbeit im Erzbischöflichen Generalvikariat, zu Beginn eines von ihm moderierten Workshops beim 101. Katholikentag in Münster. Der Titel des Workshops lautete: "Der Pfarrgemeinderat in der Midlife Crisis! Welcher Zukunft geht der PGR nach 50 Jahren entgegen?" Der Titel stieß auf große Resonanz: Der Hörsaal im Fürstenberghaus war bis auf den letzten Platz besetzt.

"Der Pfarrgemeinderat ist unter Druck geraten", so Matthias Kolk in seiner Anmoderation. Die kleine Pfarrei mit einem eigenen Pfarrer gehöre vielerorts der Vergangenheit an, doch diese sei genau das Modell, auf das der Pfarrgemeinderat bezogen sei. In vielen Diözesen gebe es Suchbewegungen, bei denen der PGR keine zentrale Rolle mehr spiele, generell müsse das Miteinander von Haupt- und Ehrenamt neu austariert werden. Auch schwebe über dem Gremium häufiger der Verdacht der Bewahrung und Rückwärtsgewandtheit. "In dieser Situation wollen wir einenBlick in die Zukunft werfen und fragen: Welche Entwicklungsmöglichkeiten gibt es für den PGR?"

Professor Dr. Rainer Bucher, Pastoraltheologe aus Graz, stellte in seinem Statement klar fest: "Wenn der Pfarrgemeinderat weitermacht wie bisher, hat er keine Zukunft." Er empfahl, den PGR zu einem Gremium werden zu lassen, das Verbindungen zu Orten des Kircheseins jenseits der klassischen Pfarrgemeinde herstelle. "Kein Ort ist prinzipiell frei vom Angebot des Evangeliums", so Bucher. Aus seiner Sicht sei es auch eine falsche Priorität zu fragen, wie eine bestimmte Sozialform wie die Pfarrgemeinde oder der Pfarrgemeinderat erhalten werden könne. "Notwendig ist stattdessen, aufgabenorientiert zu denken", sagte er. "Das heißt zum Beispiel: Welche Sozialform brauchen wir, damit die Konfrontation von Existenz und Evangelium gelingt?"  

Manuela Mewes aus Soest,  Mitglied im Diözesankomitee und Diözesanpastoralrat des Erzbistums Paderborn sowie langjähriges Pfarrgemeinderatmitglied, beschrieb den Pfarrgemeinderat als "heterogenes Konstrukt, wie man es sich bunter nicht vorstellen kann". Bezug nehmend auf den Begriff "Midlife-Crisis" im Titel der Veranstaltung stellte sie die Frage, ob für den PGR jetzt die Zeit der Entscheidung gekommen sei, ob er so weiterarbeiten wolle wie bisher, oder ob er etwas Neues probieren wolle. Zugleich sei die Midlife-Crisis eine Zeit, in der die Kinder aus dem Haus seien. Damit vergleichbar müsse sich der Pfarrgemeinderat die Frage stellen, ob das eigene Haus noch belebt oder ob es verlassen sei. Dazu gehöre auch die Frage, wie man mit den erwachsen gewordenen Kindern umgehe, wenn sie von Zeit zu Zeit ins Haus zurückkehrten.  

Dr. Cordula Brechmann, Pfarrgemeinderatsmitglied aus der Pfarrei Christi Himmelfahrt in München, berichtete von guten Erfahrungen von der letzten Pfarrgemeinderatswahl. Man habe sie erstmals als Briefwahl durchgeführt, wodurch die Wahlbeteiligung auf 20% gestiegen sei. Außerdem habe der neu gewählte Pfarrgemeinderat den Neujahrsempfang dazu genutzt, sich als Team zu präsentieren, und die Gemeindemitglieder würden durch einen Newsletter informiert.  

In der anschließenden Diskussion wurden die Sorgen und Herausforderungen von Pfarrgemeinderäten in verschiedenen deutschen Diözesen deutlich: die Vergrößerung der Pastoralen Räume, die notwendige Verringerung von Gottesdiensten, die Kompetenzverteilung zwischen Kirchenvorstand und Pfarrgemeinderat.


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