Detail - Zukunftsblick

Zweijährige Fortbildung "Lokale Kirchenentwicklung" endet

06. Juli 2017

Liturgien, die Leben hervorbringen: Ein Wortgottesdienst der Summerschool stellte das Thema "Trennung" in den Mittelpunkt.

Liturgien, die Leben hervorbringen: Ein Wortgottesdienst der Summerschool stellte das Thema "Trennung" in den Mittelpunkt.

Acht Teams aus Pastoralen Räumen haben in der vergangenen Woche eine zweijährige Fortbildung zu Theologie und Praxis lokaler Kirchenentwicklung abgeschlossen. Der als gemeinsamer Lernweg angelegte Kurs endete mit einer mehrtägigen "Summerschool" im Haus Maria Immaculata in Paderborn.

Acht Teams aus Pastoralen Räumen haben in der vergangenen Woche eine zweijährige Fortbildung zu Theologie und Praxis lokaler Kirchenentwicklung abgeschlossen. Der als gemeinsamer Lernweg angelegte Kurs endete mit einer mehrtägigen "Summerschool" im Haus Maria Immaculata in Paderborn. Ihr Ziel war es, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu befähigen, bewusstseinsbildende Prozesse für eine partizipative Kirche vor Ort zu entwickeln und umzusetzen. Zur Fortbildung eingeladen hatte der Arbeitskreis "Lokale Kirchenentwicklung" in der Hauptabteilung Pastorale Dienste im Erzbischöflichen Generalvikariat Paderborn. Die inhaltliche Leitung lag bei vier Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Pastoralinstituts "Bukal ng Tipan" aus Manila auf den Philippinen, wo man über langjährige Erfahrung mit lokaler Kirchenentwicklung verfügt.

Insgesamt fanden in den Jahren 2015, 2016 und 2017 drei Summerschools statt, zu denen sich Teams aus acht Pastoralverbünden trafen. Ihnen gehörten sowohl Haupt- als auch Ehrenamtliche an. Außerhalb der Summerschools begleiteten Mitarbeiter des Arbeitskreises die Teams und begleiteten sie vor Ort bei der Umsetzung der gewonnenen Erkenntnisse und Ideen.

"Beim Rückblick auf den Lernweg berichteten die Teams davon, wie sich das Miteinander vor Ort insbesondere durch das gemeinsame Hören und Teilen des Wortes Gottes qualitativ entwickelt und zu mehr gegenseitiger Akzeptanz und Wertschätzung geführt hat", so Florian Jansen vom Arbeitskreis "Lokale Kirchenentwicklung" und Mitarbeiter in der Hauptabteilung Pastorale Dienste. "Sowohl vor Ort in den Teams aus Haupt- und Ehrenamtlichen also auch bei diözesanen Treffen habe man die gemeinschafts- und kirchenbildende Kraft des Wortes Gottes erfahren können. Man habe auf neue Weise entdeckt, wie eng das Wort Gottes mit der alltäglichen Arbeit verbunden sein und ihnen eine neue Perspektive auf die Menschen ermöglichen kann. Mancherorts hat sich bereits die Arbeitsweise dahingehend verändert, dass bisher selbstverständliche Angebote etwa in der Katechese auf den Prüfstand gestellt und neu geplant werden."

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Summerschool bestätigten dies. Ute Herrmann-Lange, Gemeindereferentin im Pastoralverbund "An Egge und Lippe", berichtete, dass sie die Lokale Kirchenentwicklung erstmals auf den Philippinen kennen gelernt habe und das Team vor Ort von dem geistlichen Weg angetan gewesen sei. Seit der Teilnahme an der Summerschool versuche man im Pastoralverbund, die tägliche Arbeit aus einer bestimmten Haltung heraus zu gestalten. So sei zum Beispiel jetzt ein gemeinsames Firmkonzept für alle neun Gemeinden entstanden. Außerdem würden alle Sitzungen mit einer kreativen Form der Bibelarbeit begonnen.

Dass die Inhalte der Summerschool dem Zukunftsbild eine Seele gäben, sagte Dechant Gerhard Pieper, Leiter des Pastoralverbundes Warburg. Auch er stelle fest, dass sich durch die erlernten Methoden das Miteinander geändert habe. Zum Beispiel sei die Arbeit im Pastoralverbundsrat durch mehr Rücksichtnahme und mehr Aufeinander Hören geprägt. Auch die besondere Form der sonntäglichen Wortgottesdienste mit Kommunionausteilung in Warburg sei letztlich eine Frucht des begonnenen Prozesses. Statt auf "Versorgung" zu setzen habe man sich die Frage gestellt, wie man zu einer Kirche werden könne, die auf Gott und die Menschen achtsam ist. Dies sei ein geistlicher Prozess gewesen, kein Strukturprozess.

Barbara Lödige. Gemeindereferentin im Pastoralverbund Bielefeld-Ost, nannte die lokale Kirchenentwicklung "einen wunderbaren Prozess", an dem sich das ganze Team beteilige. Die Fortbildung habe dazu geführt, dass die Beziehung zum Wort Gottes selbstverständlich geworden sei. Es gehe zwar nicht von heute auf morgen, dass die Bibel in der Mitte stehe, aber es verändere doch den Stil: "Wir versuchen immer besser zu verstehen, dass wir auf einem Weg der Umkehr unterwegs sind".

Die jetzt zu Ende gegangene Summerschool hatte das Thema "Lokale Kirchenentwicklung und Neuevangelisierung". Dabei ging es auch um die Frage, wie wortgottesdienstliche Liturgien, die wesentlicher Teil des Lernweges sind, so gestaltet werden können, dass sie "Leben hervorbringen". Die während der Summerschool gefeierten Liturgien verdeutlichten, was damit gemeint ist: Am Freitag begann die Summerschool zum Beispiel mit einem Wortgottesdienst, in dem die im Kreis sitzenden Teilnehmer von einer Mauer aus Plakaten getrennt waren. Entsprechend befasste sich die Liturgie mit dem Thema Trennung: Welche Trennungen gibt es in unserer Gesellschaft und unserer Kirche und wodurch kann man sie überwinden?

"Darüber hinaus haben uns unsere Freunde von den Philippinen dazu angeregt, über die eigenen liturgischen Traditionen nachzudenken", so Florian Jansen. "Dabei ging es nicht primär um die Feier der Eucharistie, sondern zum Beispiel um über Generationen weitergegebene Gebetstraditionen wie etwa das Angelus- und das Rosenkranzgebet. Warum sterben heute viele Traditionen und was ist die Voraussetzung dafür, dass sie eine Chance haben weiterzuleben?" Im römischen Messbuch sei zu lesen, es sei Aufgabe der Kirche, das ihr anvertraute Glaubensgut zu bewahren und zugleich Neues zu erwägen und klug anzuwenden (vgl. AEM 15). Daraus ergebe sich die Konsequenz, so Jansen, in jeder Liturgie an die grundlegenden menschlichen Bedürfnisse anzuknüpfen und diese in Zusammenhang mit dem Evangelium zu bringen. Tradition müsse heute neu interpretiert werden, damit sie für die Menschen relevant bleibe und Antworten auf die Fragen unserer Zeit gebe. Tradition sei kein statisches, sondern ein dynamisches Geschehen, weil Gott ein lebendiger Gott sei.

Die folgenden Pfarreien und Pastoralverbünde nahmen an der Fortbildung zur "Lokalen Kirchenentwicklung" teil: Pastoralverbund Bielefeld Ost, Pfarrei Heiligste Dreifaltigkeit Beverungen, Pastoralverbund Warburg, Pastoralverbund an Egge und Lippe, Pastoralverbund Büren, Pastoralverbund Brilon, Pastoralverbund Paderborn Mitte-Süd, Pastoralverbund Hüttental-Freudenberg.

Kontakt / Information:

Andreas Watzek
andreas.watzek(ät)erzbistum-paderborn.de

Florian Jansen
florian.jansen(ät)erzbistum-paderborn.de


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