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18. September 2017

Erfahrungen mit dem Entscheiden

Wie organisiert man eine Veranstaltung zur „Überprüfung und Reflexion“ des Zukunftsbildes für das Erzbistum Paderborn? Eines programmatischen Textes, der dazu auffordert, sich – wie Paulus in Athen – mit dem, was man für Richtig hält, der Meinung einer breiten Öffentlichkeit auszusetzen. Eines Textes, der allen Menschen und allen Getauften im Besonderen eine Berufung zuspricht. Eines Textes, der eine Kultur von Vertrauen und Verantwortung für das Miteinander einfordert.

Wie organisiert man eine Veranstaltung zur „Überprüfung und Reflexion“ des Zukunftsbildes für das Erzbistum Paderborn? Eines programmatischen Textes, der dazu auffordert, sich – wie Paulus in Athen – mit dem, was man für Richtig hält, der Meinung einer breiten Öffentlichkeit auszusetzen. Eines Textes, der allen Menschen und allen Getauften im Besonderen eine Berufung zuspricht. Eines Textes, der eine Kultur von Vertrauen und Verantwortung für das Miteinander einfordert.

Wie kann das mit dem Diözesanen Forum gehen? Seit fast 30 Monaten suchen wir nach Antworten auf diese Frage. Auf dem Weg sind es immer mehr geworden, die sich an der Suche beteiligen. Ende des Monats wird sich das erste Diözesane Forum in Unna ereignen. Ich möchte von Erfahrungen und Begegnungen auf der Suche erzählen.

Heute über Entscheidungen. Im Sinne des Zukunftsbildes für das Erzbistum (vgl. Kapitel 4.2) ein Vorgehen, bei dem sich mündige Christinnen und Christen in ehrlicher Bereitschaft zur Verständigung begegnen.

Erfahrung: Der große Gedanke, der die gesamte Organisation des Diözesanen Forums trägt, heißt Ambivalenz. Also die Erkenntnis, dass es gute und richtige Gründe sowohl für die eine, wie für eine andere Auffassung gibt. Es ist nach drei Jahren Zukunftsbild kaum möglich, etwas als richtig und anderes als falsch zu bewerten.

Klar geworden ist das beim Konzepttag Anfang 2016. Der Tag war lange geplant, der Termin nur schwer zu finden gewesen. Und dann schlägt eine Krankheitswelle ein: Beide Haupt-Entscheider melden sich kurzfristig krank. Dafür springt spontan ein Kollege ein, der erst am Morgen auf dem Flur von dem Auftrag erfährt. Am Ende des Tages steht ein Bild, das sich für alle Beteiligten stimmig anfühlt. War das die Entscheidung?

Wir erzählen das Bild weiter. Es ist der Gedanke von einem Marktplatz, auf den Menschen aus unterschiedlichen Richtungen kommen, sich ihre Wege suchen und auch Ecken links liegen lassen. Auch der Heimweg vom Marktplatz führt in unterschiedliche Richtungen. Jeder geht, wenn er möchte, nimmt mit, was er braucht. „Entscheider“ hören die Geschichte, Gremien hören die Geschichte – und alle tragen die Idee mit. War das die Entscheidung?

Erfahrung: Wir suchen seit Sommer 2016 nach den Themen für das Forum. Unpassend erscheint es, eine Präsentation der größten Erfolge zu veranstalten. Weil es im Alltag der Kirche neben spannenden Aufbrüchen auch deprimierende Abbrüche gibt. Wir beginnen nach den Fragen zu suchen, an denen das Erzbistum Paderborn für seine weitere Entwicklung lernen kann.

Den Grundstock zur „Themenliste“ für das Forum bilden die Empfehlungen der Diözesanen Pastoralwerkstatt 2013 und die „Schritte zur Umsetzung“, die 2014 als Anlage 1 mit dem Zukunftsbild veröffentlicht wurden. Wir suchen den Austausch mit Menschen und Gremien zu den Lernfragen. Was uns begegnet und einem Bezug zur Entwicklung des Erzbistums hat, wird mit einem kurzen Steckbrief skizziert und auf die Liste gesetzt. Es werden über 70 Einträge.

Auf das Sammeln folgt im Frühjahr 2017 die Auswahl. Wir laden dazu ein und es findet sich eine Gruppe, die alle Steckbriefe liest, sich in die Themen eindenkt und sie nach ihrem Reifegrad bewertet. Leitende Frage dabei: Ist beim Forum im Herbst 2017 eine qualitative Weiterarbeit am Thema möglich?

So sortierte sich die Liste: Es gibt Themen, die beim Forum in einem Workshop bearbeitet werden. Es gibt Themen, die unabhängig vom Forum vorangetrieben werden und dort einen Einblick geben (als Stand auf dem „Marktplatz“). Und es gibt Themen, über die ein Forum reden müsste, für die es aber bisher keine Grundlage gibt. Von über 70 Themen bleiben nach der Bewertung 42 für das Forum 2017 übrig. Öffentlich zugänglich im Internet unter www.zukunftsbild-paderborn.de/themenliste. Eine Entscheidung.

42 Themen sind zu viele, blickt man von den organisatorischen Rahmenbedingungen her. Es sind zu wenige, blickt man von den Erwartungen an die Entwicklung der Kirche her. In falscher Gewichtung, blickt man aus hohem Engagement für ein einzelnes Thema, das keinen Platz als Workshop bekommen hat. Vielleicht auch: Die falschen, blickt man mit ganz konkreten Erwartungen an das Erzbistum.

Die Liste wollen wir beim Forum und auch danach weiter führen. Auch die weiteren Themen bleiben für uns auf der Liste – vielleicht fällt die Bewertung dazu für das Forum 2020 anders aus.

Markus Freckmann

Kommentare (1)

  1. Annegret Meyer am 21.09.2017
    "War das die Entscheidung?" Um mit dem Eingangs-Blogbeitrag (gaaanz unten in der Liste hier) zu sprechen: "Konnte man durch diese Zufälle, Umwege... Gott bei der Arbeit zuschauen?" Schon beim Schreiben merkt man die ungewohnte Perspektive. Und doch - wie sagte es schon die ältere Generation gerne: Der liebe Gott tut nix wie fügen...

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