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12. September 2017

„Darüber hinaus!“ – Bergexerzitien 2017

Foto: Stephan Lange

Foto: Stephan Lange

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Als ich mir am Abend auf der Hütte drei Knödel bestelle, wird gelacht: „Das schaffst du nie!“ – Ich bleibe getreu unseres Wegmottos „Darüber hinaus!“ bei meiner Bestellung

Als ich mir am Abend auf der Hütte drei Knödel bestelle, wird gelacht: „Das schaffst du nie!“ – Ich bleibe getreu unseres Wegmottos „Darüber hinaus!“ bei meiner Bestellung.

 Ja, wir gehen in diesen Tagen unserer Bergexerzitien wirklich in vielen Belangen „darüber hinaus“: Unsere erste Hütte ist eine Selbstversorgerhütte. Nachdem wir Feuer gemacht und einige hundert Meter bergabwärts Wasser geholt haben, schmeckt uns die wärmende Brühe richtig gut. In manchem weckt sie auch wieder Lebensgeister.

Diese dichte Atmosphäre lässt uns schnell als Gruppe zusammenwachsen. Wir werden zu Weggefährten, die über ihr eigenes Wohl hinaus, auch nach dem anderen schauen. Wo Vertrauen wächst, macht die Trittsicherheit des Vordermanns Mut, auch selbst den Schritt durchs Geröll zu wagen und um Hilfe zu bitten, wenn die eigenen Kräfte nicht reichen.

So entstehen auch Gespräche, die viel mehr sind als kollegialer Austausch, bei denen es um das geht, was uns in diesem Moment oder in unserer derzeitigen Lebensphase bewegt. Das Gehörte weckt auch in mir wieder einen nächsten Gedanken oder eine neue Perspektive. Zeiten für gemeinsame Impulse am Morgen, auf dem Weg und am Abend führen mich über die gewöhnlichen Alltagsgedanken hinaus und holen Gott ins Jetzt und Hier – obwohl er ja auch vorher schon da war. Dieser so gern getane Ausspruch wird in diesen Tagen immer wieder erfahrene Wirklichkeit.

Das Bergpanorama, das sich Tag für Tag vor uns im Sonnenlicht erstreckt, belohnt uns immer wieder für schweißtreibende Aufstiege, bei denen uns kaum etwas anderes übrig bleibt als schweigend, jeden Schritt ganz bewusst zu setzen. Wenn wir ein Joch, einen Bergsee, den Blick auf neue Bergzüge oder gar einen Gipfel erreichen, ist die Freude groß. Dann ist es auch an der Zeit den Rucksack um 200 Gramm Gummibärchen und das Herz um einen Andachtsjodler zu erleichtern.

Im Rückblick weiß ich: Das Motto „Darüber hinaus!“ wäre ohne unsere 14-köpfige Gruppe für mich nicht so leicht Wirklichkeit geworden. Ich hätte manches Ziel nicht erreicht und beeindruckende Augenblicke nicht geteilt; ich hätte mich nicht so sehr mit mir persönlich und nicht mit meinem Gegenüber auseinandergesetzt. Und ich weiß: Dann wäre ich wohl auch dem Himmel nicht so nahe gekommen!  

So war es übrigens auch mit den Knödeln auf meinem Teller. Am Ende war mein Teller leer. Doch ohne das Mittun der anderen hätte ich auch dieses Ziel nicht erreicht.

Cordula Picht

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