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16. Mai 2017

Eine Gemeinde, die sich das traut

Im Vorfeld schlugen die Wellen hoch.

In der Zeitung gab es ein paar böse Leserbriefe in der Richtung: die Kirche baut sich ein

Planschbecken oder gar einen Whirlpool und lässt möglicherweise ein Entchen darauf schwimmen.

Und das Bild von den Wellen passt zumindest in sofern, als dass es um Wasser geht, Wasser in einem Taufbecken. Nicht um ein Taufbecken, wie es in den meisten Kirchen im Erzbistum Paderborn zu finden ist: überschaubar groß, oft in eine Ecke gestellt. Nein, es geht um ein begehbares Taufbecken.

Das plant der Pastorale Raum Hamm-Mitte-Osten in die Kirche St. Agnes in Hamm zu bauen.

Es war ein Informationsabend angekündigt, in dem die Pläne vorgestellt werden sollten.

In der Presse aber auch beim Pfarrer direkt ging viel Kritik ein. Zum Teil unangemessen formuliert. Aber der Hintergrund wurde deutlich: brauchen wir das wirklich? Müssen wir für so etwas Geld ausgeben? Hilft das wirklich weiter?

Diese Fragen tauchten auch beim Informationsabend wieder auf.

Allerdings wurden manche Antworten schon vorweg genommen. 

Zum Beispiel von Prof. Stiegemann, der buchstäblich zu den Quellen ging. Er berichtete davon, dass die Taufe zu Beginn der Kirchengeschichte mit langen und intensiven Vorbereitungen verbunden. Die Taufe selbst von hoher Symbolkraft: der Täufling taucht in die Schwärze des Wassers ein. Er kann das tun, weil er weiß, dass Christus mit ihm durch das Dunkel geht. Darauf kann er sich verlassen und taucht zu einem neuen, einem anderen Leben wieder auf.

Die Symbolik oder besser: der Verlust der Symbole kam auch bei  Pfarrer Schmidt und

Gemeindereferentin Knepper zum Ausdruck. Sie waren aus Höntrop angereist, wo seit einigen Jahren ein großes Taufbecken in der Kirche ist. „Nicht nur ein paar Tropfen Wasser über den Kopf“, so war ihre Idee. „Nicht mehr nur eine kleine Hostie, statt einem gebrochenen Brot“. 

Und bei ihren Berichten entstand der Eindruck: eine Gemeinde, die sich darauf einlässt, verändert sich. „Denk an die Aufgabe, die dir jeden Tag neu aus deiner Taufe erwächst.“

Es gab Fragen. Praktische und konkrete, nach dem Taufkleid, nach Bestattungsformen, die mit dem Taufbecken verbunden sind, aber auch danach, wie Nachbargemeinden reagieren, wie man mit Kritikern umgehen soll.

Aber es gab auch Aussagen!  Aussagen, die zeigen, dass sich die Gemeinde, die sich darauf einlässt, sich möglicherweise verändert.

Eine Frau sagte: „Mein Mann ist vor zwei  Jahren gestorben. Wie schön wäre es gewesen, sein Sarg hätte hier in der Kirche stehen können. Auf dem Wasser des Taufbeckens.“

Und eine Frau ganz am Schluss sagte: „Ich bin hierhergekommen, weil ich in der Zeitung gelesen hatte, dass das hier heute vorgestellt wird. Ich bin ohne eine Meinung hierhergekommen, ohne Voreinstellung. Aber mit einer Absicht: ich wollte die Gemeinde kennen lernen, die den Mut hat, einen solchen Weg zu gehen.“

Jutta Loke

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