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19. April 2017

Profan?

Die inzwischen profanierte und abgerissene Herz Jesu-Kirche in Hamm.

Modell des neuen Kindergartens. Die Form der früheren Herz-Jesu-Kirche wurde übernommen.

Luftbild des Kindergartens.

Haben Sie schon mal eine Profanierung erlebt? Eine Profanierung ist das Gegenteil von einer Kirchweihe. Sie wird "vollzogen", wenn eine Kirche anders genutzt oder abgerissen wird. Ich habe eine erlebt. 2013 wurde die Herz-Jesu-Kirche in Hamm profaniert.

 "Das Adjektiv profan bedeutet "weltlich", "alltäglich" oder "gewöhnlich", in Abgrenzung zum Göttlichen bzw. Gott Dienenden. Heute können nicht nur weltliche (d.h. nicht kirchliche) Dinge als profan bezeichnet werden, sondern allgemein auch alles Durchschnittliche, alles was nicht heraussticht, normal und gewöhnlich ist" (aus: Neueswort.de)

Haben Sie schon mal eine Profanierung erlebt?

Eine Profanierung ist das Gegenteil von einer Kirchweihe. Sie wird "vollzogen", wenn eine Kirche anders genutzt oder abgerissen wird.

Ich habe eine erlebt. 2013 wurde die Herz-Jesu-Kirche in Hamm profaniert. Dem voraus gegangen war ein langer und schwieriger Prozess. Relativ nah zu zwei anderen Kirchen, relativ jung erbaut, war die Kirche "über". Relativ, weil das natürlich manche ganz anders sahen. Relativ wichtig war die Kirche den Menschen, die ihren Bau miterlebt hatten, daran mitgewirkt hatten. Die, die dort getraut, deren Kinder dort getauft, für deren verstorbene Angehörige dort gebetet wurde. Die, die dort Sonntagsgottesdienste feierten, Ostern und Weihnachten dorthin zurückkamen.

Nach vielen schwierigen Diskussionen wurde die Entscheidung erleichtert durch die Idee, dass etwas anderes an die Stelle treten sollte: ein Kindergarten.

Und weitere mühsame Schritte folgten: die erste Idee, die Kirche zum Kindergarten umzubauen, ließ sich finanziell nicht realisieren. Der Abbruch stand wieder im Raum und wurde dieses Mal beschlossen.

Zum Glück fand sich ein Architektenpaar, das verstanden hatte, worum es ging: etwas aus der Kirche, von ihrer Idee retten. Und sie nahmen nicht eine Heiligenfigur und planten sie ein. Sie bauten keine Fenster um oder retteten Gegenstände. Sie übernahmen die Form.

Heute spielen im Garten des Kindergartens, der um die ursprüngliche Ellipse der Kirche gebaut ist, die Kinder. Täglich. Alltäglich. Der Altar (der keiner mehr ist, weil er ja profaniert wurde...) steht an der alten Stelle. Zwischen den spielenden Kindern. Und auch mal zwischen singenden und betenden Menschen, die dort immer mal wieder Gottesdienste feiern.

Der letzte Gottesdienst in der Kirche war sehr eindrücklich: 40 Sonnenblumen, für jedes Jahr, das die Kirche stand, eine, wurden an besondere Menschen verschenkt. Menschen, die sich in und um die Kirche verdient gemacht hatten. Es wurde noch einmal Eucharistie gefeiert.

Dann las der Bischof die Profanierungsurkunde vor. Mit ihrem letzten Wort, so die Aussage, ist die Kirche kein heiliger Ort mehr. Die Kerzen wurden ausgelöscht. Das Allerheiligste wurde in einer Prozession nach draußen getragen. Begleitet von Ministranten, die weinten, gefolgt von Menschen, die weinten.

Profan. Nicht mehr heilig. Weltlich.

Heute, so die Definition, steht "profan" für "alles Durchschnittliche, alles, was nicht heraussticht, normal und gewöhnlich ist."

Das, so finde ich, passt auf den neuen Kindergarten in keiner Weise!

Die Autorin Jutta Loke ist stellvertretende Geschäftsführerin des Gemeindeverbandes katholischer Kirchengemeinden Hellweg.

Jutta Loke

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