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27. März 2017

Im Land des Lächelns?

Über Christinnen und Christen gab (und gibt es vielleicht immer noch) ein weit verbreitetes Klischee. Nach diesem Klischee weisen gläubige Menschen oft eine ganz bestimmte Haltung auf. Man kann sie in etwa mit den folgenden Worten beschreiben: "Der liebe Gott wird es schon richten. Jesus liebt dich, also lächle. Alles wird gut."

Über Christinnen und Christen gab (und gibt es vielleicht immer noch) ein weit verbreitetes Klischee. Nach diesem Klischee weisen gläubige Menschen oft eine ganz bestimmte Haltung auf. Man kann sie in etwa mit den folgenden Worten beschreiben: "Der liebe Gott wird es schon richten. Jesus liebt dich, also lächle. Alles wird gut." Das Lied "Always look on the bright side of life" - "Schau immer auf die Sonnenseite des Lebens" aus Monty Pythons berühmter Komödie "Das Leben des Brian" schlägt in etwa in die gleiche Kerbe.

Durchaus möglich, dass manche Christen dieses Klischee erfüllen - es ist ja auch gar nichts Schlechtes daran. Aber ob dieses Klischee dem christlichen Glauben gerecht wird, gerade jetzt, wenn die Feier der Kar- und Ostertage allmählich näher rückt? Das Gedenken von Leiden, Tod und Auferstehung Jesu Christi kennt doch wahrlich nicht nur "die Sonnenseite des Lebens." Dieses Geschehen umfasst auch jenen Ort, der für die meisten Menschen für die Dunkelheit schlechthin steht: das Grab. Im Grab gibt es keine "Sonnenseite" mehr, auf die man blicken könnte. Vom "Land des Lächelns" kann keine Rede sein.

Tatsächlich würde ich vermuten, dass das Klischee von der "Sonnenseite", vom "Land des Lächelns", heute vor allem außerhalb der Religion zu finden ist. Erfahrungen von Dunkelheit und Schatten haben im allgemeinen Bewusstsein nicht gerade Hochkonjunktur. In unserer auf Leistung getrimmten Gesellschaft ist ständiger Optimismus gefragt, ein ständiges Streben nach Verbesserung, nach dem ganz persönlichen Glück. Nur der glückliche Mensch hat ein gutes Ansehen, nur er hat alles richtig gemacht. Das Ganze hat natürlich eine Kehrseite: Wer unglücklich ist, wer aus welchen Gründen auch immer nicht auf der Sonnenseite stehen kann, gilt schnell als gescheitert und als Verlierer. Er ist vielleicht sogar selbst daran schuld, weil er sich nicht genug angestrengt hat...

Mir fällt in diesem Zusammenhang ein, dass es den für das kommende Diözesane Forum Verantwortlichen wichtig ist, folgendes zu betonen: Das Forum ist keine Leistungsschau! Und ich höre aus diesem Satz heraus: Es wird in Unna keine romantische Operette mit dem Titel "Das Land des Lächelns" geben, in der wir besingen, wie gut es uns geht, seit es das Zukunftsbild gibt. Und dass alle, die Schwierigkeiten mit der gegenwärtigen Entwicklung des Erzbistums haben, eben selbst Schuld sind... auch das wäre ein (möglicherweise verbreitetes) Klischee, mit dem die Tage in Unna hoffentlich aufräumen werden.

Dr. Claudia Nieser

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