Detail - Zukunftsblick

Pastorales Personal im Gespräch mit der Bistumsleitung

03. Juli 2017

Die Situation des pastoralen Personals steht von Montag bis Mittwoch im Erzbistum Paderborn im Blickpunkt. Erzbischof Hans-Josef Becker lud das Pastorale Personal zu insgesamt drei Tagesveranstaltungen ein, bei denen sich die Frauen und Männer mit der Bistumsleitung austauschen können, was sie in ihrem Arbeitsalltag bewegt, was sie freut und was sie ärgert.

Priester, Gemeindereferentinnen und -referenten und Diakone sind von den gegenwärtigen gesellschaftlichen und innerkirchlichen Veränderungen in besonderer Weise betroffen. Ihre Situation "zwischen Anforderung und Überforderung" steht von Montag bis Mittwoch im Erzbistum Paderborn im Blickpunkt. Erzbischof Hans-Josef Becker lud das Pastorale Personal zu insgesamt drei Tagesveranstaltungen ein, bei denen sich die Frauen und Männer mit der Bistumsleitung austauschen können, was sie in ihrem Arbeitsalltag bewegt, was sie freut und was sie ärgert. Das erste Gespräch mit insgesamt 120 Teilnehmern fand heute im Kaiserhaus in Arnsberg-Neheim statt. Am Dienstag und Mittwoch folgen weitere Gespräche in Dortmund und Paderborn. Insgesamt erwartet das Erzbistum zu den drei Tagen mit der Überschrift "Zwischen Anforderung und Überforderung - Pastorales Personal und Kirchenentwicklung" über 600 Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Das vor knapp drei Jahren veröffentlichte Zukunftsbild für das Erzbistum Paderborn bildete den Hintergrund der Gespräche. In einer ersten Runde beschrieben Pfarrer Andreas Schulte, Leiter des Pastoralen Raums Balve-Hönnetal, Pastor Franz Drüke aus dem Pastoralverbund Soest, Gemeindereferentin Claudia Fischer aus der Pfarrei St. Johannes Baptist in Neheim-Voßwinkel und Diakon Michael Freundt aus der Pfarrei St. Peter und Paul in Siegen ihre gegenwärtige Situation.

Das Arbeiten im Pastoralen Raum habe positiv eine viel bessere Teamarbeit zu Folge, führe aber auch dazu, dass er viel im Auto sitze und bei Gottesdiensten manchmal die Messdiener nicht mehr kenne, so Pfarrer Schulte. Die Teamarbeit sei eine große Kraftquelle für ihn, die regelmäßige Frage "Wie geht es dir?" sei in der Zusammenarbeit keine Floskel. Missmut und Kritik liefen natürlich auch bei ihm auf, manchmal auch "hinten rum", zum Beispiel über die Sozialen Medien. Oft sei es dann aber so, dass nicht er als Person, sondern in seinem Amt als Pfarrer kritisiert werde.

Gemeindereferentin Claudia Fischer beschrieb, dass im Pastoralen Raum sehr viel mehr kategoriale Arbeit möglich sei und eigene Schwerpunkte und Fähigkeiten besser eingebracht werden könnten. Sie beobachte aber auch, dass Hauptamtliche im Pastoralen Raum stärker auf einer "mittleren Ebene" arbeiteten: Ihre Aufgabe sei es vor allem, Multiplikatoren zu begleiten, die dann Ansprechpartner für die Gläubigen seien. Die Begegnung mit vielen unterschiedlichen Menschen sei eine große Erfüllung für ihre Arbeit. Sie habe auch Spaß daran, gemeinsam mit anderen zu überlegen, wie man am besten in die Zukunft gehen könne. Traurig mache sie dagegen ein tief verankertes Denken in zwei Fronten. Diese Fronten könnten Priester und Laien sein, Haupt- und Ehrenamtliche aber auch "wir in den Pastoralen Räumen" und "die in Paderborn". Das Zukunftsbild mache sich für Vertrauen stark, man könne im Miteinander aber noch viel Misstrauen erleben.

Dass sich sein Arbeitsumfang kaum verändert habe, beschrieb Diakon Michael Freundt. Die Gruppen würden zwar größer und man begegne mehr fremden Leuten, aber das erlebe er eher als Bereicherung. Freude machten ihm "die normalen kleinen Begegnungen", etwa wenn er vor einer Schulklasse stehe und Fragen beantworte. Im größeren Pastoralen Raum könne er allerdings nicht überall sein und bekäme manchmal zu hören, nur noch selten da zu sein.

Pastor Franz Drüke bezog sich zunächst auf gesellschaftliche Veränderungen: In den Kommunen sei es inzwischen kein Automatismus mehr, dass Kirche für eine Mitwirkung angefragt würde. Nur eine aktive Beziehungsarbeit könne garantieren, dass Kirche noch dazugehöre. Freude mache es ihm, bei existentiellen Ereignissen mit Menschen in Kontakt zu kommen. Als anstrengend erlebe er, wenn in Teams mehr nebeneinander als miteinander gearbeitet würde.

Auch Mitglieder der Bistumsleitung wurden nach der Einschätzung der derzeitigen Situation des pastoralen Personals gefragt. Erzbischof Hans-Josef Becker sagte, er erhoffe sich von den Gesprächen den Beginn eines gemeinsamen Verständnisses, was die Sorge um und Fürsorge für die hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Seelsorge angehe. Nach seinem Wunsch solle der Tag dazu dienen, dass die Frauen und Männer mit den vielen von außen und von innen kommenden Ansprüchen besser umgehen könnten. Erzbischof Becker zeigte sich überzeugt davon, "dass wir gegenwärtig keine Sterbestunde der Kirche erleben". Die Kirchentwicklung sei lebendig, vielfältig, ungleichzeitig, aber nicht dramatisch. Zwar sei eine allgemeine Akzeptanz von Glaube und Kirche in der Gesellschaft nicht mehr gegeben, aber stattdessen gebe es die Erfahrung, dass im konzentrierten Miteinander neue Entdeckungen gemacht werden könnten.

Mit Blick auf das kommende Jahrzehnt sagte der Erzbischof: "Wir werden uns von dem Grundgedanken verabschieden müssen, dass wir alles flächendeckend leisten können". Ausdrücklich ermutigte er die anwesenden Seelsorgerinnen und Seelsorger dazu, auch Dinge aufzugeben. Hier sei es besonders wichtig, dass ein Team an einem Strang ziehe und die Entscheidung unterstütze.

Freude in seinem Dienst bereiteten ihm Begegnungen mit ehrlichen, frohen Menschen, denen keine Resignation anzumerken sei, fuhr Erzbischof Becker fort. Ärgerlich seien für ihn Unterstellungen und die nicht selten anzutreffende "Verweigerung vor der Zukunft", die mit keinem Vorschlag einhergehe, wie es denn auch anders gehen könne. Für den mit dem Zukunftsbild eingeschlagenen Weg sehe er keine Alternative, hielt er fest. Der Text sei schließlich nicht in einer "einsamen Kammer erfunden" worden, sondern sei über einen längeren Zeitraum hinweg aus den Erfahrungen vieler Menschen entstanden.

Monsignore Dr. Michael Bredeck, Leiter der Projektes Bistumsentwicklung, sprach von positiven und negativen Resonanzen auf das Zukunftsbild. Insgesamt glaube er aber, dass man mit dem Zukunftsbild etwas Entscheidendes ins Gespräch gebracht habe: Es werde nicht "einfach abgeheftet", sondern man arbeite an den Konsequenzen. Er erlebe außerdem, dass sich ganz unterschiedliche Leute aus unterschiedlichen Richtungen auf das Zukunftsbild beriefen. Die vielfältige Kommunikation und Vernetzung, der der Text ausgelöst habe, freue ihn. Er erlebe auch, dass die Verständigungsbereitschaft am Wachsen sei. Dem stehe mancherorts aber eine Verweigerungshaltung gegenüber, die ihn ärgere. "Ich habe mir manches auch schneller erhofft", schloss er. "Aber wir dürfen die Menschen auch nicht überfordern". Stattdessen müsse man sich bemühen, Menschen gezielter mit jenen Themen zu erreichen, die für sie von Bedeutung sind.

Dass auch die Bistumsleitung darum ringe, wo der Weg hingehe und was der richtige Weg sei, sagte Monsignore Andreas Kurte, Leiter der Zentralabteilung Pastorales Personal im Erzbischöflichen Generalvikariat. Er stellte fest, dass es immer schwieriger werde, Pfarrerstellen zu besetzten: einerseits weil die Zahl der Priester weniger geworden sei, andererseits weil nicht jeder ein komplexes Gebilde wie einen Pastoralen Raum leiten könne. Generell werde der Personaleinsatz heute nicht mehr "auf dem Schachbrett geplant", sondern funktioniere über den Dialog, sagte er. Es gehe nicht um Besetzung von Stellen, sondern um Menschen, die mit ihren Fähigkeiten "richtig" und geeignet für eine Aufgabe sind. "Von den Priestern, Gemeindereferentinnen und Diakone erwarte ich eine grundsätzliche Mitgehbereitschaft für den eingeschlagenen Weg", schloss er. "Und zwar jeder nach seinen Kräften und Fähigkeiten."

Nach den Statements hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Gelegenheit, über das Miteinander verschiedener Akteure im Erzbistum Paderborn ins Gespräch zu kommen. Dabei hatten sie die Auswahl zwischen drei verschiedenen Themen: dem Miteinander von Akteuren im Pastoralen Raum und im Erzbischöflichen Generalvikariat, dem Miteinander in den Pastoralteams sowie dem Miteinander von Haupt- und Ehrenamtlichen.

Die Tage waren eine Veranstaltung auf dem Weg zum Diözesanen Forum am 29. und 30. September 2017. Dabei handelt es sich um eine Veranstaltungsreihe, mit der das Erzbistum alle Interessierten einlädt, wichtige Themen für die Entwicklung des Erzbistums kennenzulernen, darüber zu diskutieren und voranzubringen. Da am Diözesanen Forum in Unna selbst nur eine begrenzte Anzahl von Menschen teilnehmen kann, werden auch außerhalb des Forums wichtige Themen bewegt, die bei der weiteren Entwicklung des Erzbistums von Bedeutung sind. Das sind teilweise auch Themen, die im Zukunftsbild nur angedeutet sind oder beiläufig erwähnt werden.

Eine Bildergalerie zu der Veranstaltung steht auf der Internetseite des Erzbistums zur Verfügung.


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