Detail - Zukunftsblick

Zwischen Selbstbewahrung und missionarischem Neuaufbruch

12. April 2017

Die Frauen und Männer des Diözesanpastoralrates berieten am Freitag und Samstag über zentrale Themen des Zukunftsbildes für das Erzbistum Paderborn.

Über zentrale Themen des Zukunftsbildes für das Erzbistum Paderborn berieten am Freitag und Samstag die Frauen und Männer des Diözesanpastoralrates. Das Beratungsgremium des Paderborner Erzbischofs tauschte im Bildungs- und Gästehaus Liborianum Erfahrungen beim Aufbau der Pastoralen Räume aus. Außerdem standen als Themen auf der Tagungsordnung die Chancen und Herausforderungen von pastoralen Orten und Gelegenheiten sowie die Spannung zwischen dem Wunsch, in den Gemeinden den Status Quo zu erhalten und dem Streben nach neuen Formen kirchlichen Handelns.

Heimat im Pastoralen Raum

Andreas Watzek aus der Hauptabteilung Pastorale Dienste im Erzbischöflichen Generalvikariat beschrieb anhand eines Modells wesentliche Merkmale eines Pastoralen Raums. Dabei ging er von der Aussage des Zukunftsbildes aus, dass sich Pastorale Räume von den unterschiedlichen Glaubens- und Lebensthemen der Menschen her entwickelten und die Aufgabe hätten, die Kirche vor Ort für den jeweiligen Sozialraum zu gestalten. Davon ausgehend diskutierte der Diözesanpastoralrat die Frage, was den Menschen in größeren Pastoralen Räumen eigentlich Heimat bieten könne. Hier lautete eine Antwort, dass das große Gesamtterritorium des Raums kaum geeignet als Bezugsgröße sei, um von "Heimat" zu sprechen. Stattdessen müssten künftig stärker einzelne, konkrete Orte im Nahraum kirchliche Beheimatung bieten.

Thematisiert wurde auch der häufig geäußerte Vorwurf, dass es in der Kirche im Pastoralen Raum zunehmend anonymer werde. Hier wurde die Vermutung geäußert, dass das Empfinden von Anonymität weniger mit fehlender Zugehörigkeit zu einer Gruppe, sondern dem Vermissen einer festen Bindung zu Priestern oder hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu tun habe. Umso wichtiger sei es, dass die Kirche vor Ort eine verlässliche Erreichbarkeit sicherstellen müsse, um dem Anonymitätsgefühl entgegenzuwirken.

Chancen und Herausforderungen pastoraler Orte und Gelegenheiten

Im Anschluss stand das Thema "Pastorale Orte und Gelegenheiten" auf der Tagesordnung. Stephan Lange und Pfarrer Günter Eickelmann vom gleichnamigen Teilprojekt der Bistumsentwicklung stellten zehn Merkmale vor, die beschrieben, was diese künftig auszeichnen solle. Besonders hoben beide hervor, dass pastorale Orte und Gelegenheiten die missionarische Dimension der Pastoral fördern müssten und daher an sie die Frage zu stellen sei, welche Botschaft des Evangeliums durch sie bezeugt werden solle. "Wir haben gemerkt, dass gerade in dieser Frage viel Kraft und Dynamik steckt", so Stephan Lange.

In der nachfolgenden Diskussion wurde deutlich, dass ein pastoraler Ort und eine pastorale Gelegenheiten im Sinne des Zukunftsbildes nicht zwingend neue Projekte sein müssen. Auch bereits bestehende Orte wie zum Beispiel Kindertagesstätten oder regelmäßige Initiativen wie zum Beispiel die Erstkommunionvorbereitung in einer Pfarrei könnten "pastoraler Ort" oder "pastorale Gelegenheit" sein. Es gelte zu überprüfen, ob diese den vorgestellten Merkmalen entsprächen oder ob zuerst eine Reflexion und Weiterentwicklung notwendig sei, um sich als solche zu qualifizieren.

Monsignore Dr. Michael Bredeck, Leiter der Projektes Bistumsentwicklung, unterstrich, dass es bei der Qualifizierung pastoraler Orte und Gelegenheiten letztlich um Gemeindebildung gehe. "Wenn zum Beispiel für Eltern die katholische KiTa ihre Kinder zur Heimat wird, weil sie dort etwa mit anderen Menschen in der gleichen Lebenssituation zusammenkommen, mit ihnen Glauben leben oder die Nähe Gottes erfahren können, dann kann und darf dies ihre Gemeinde sein", sagte er. "Sie müssen nicht erst woanders 'zur Kirche' gehen, sie sind dort schon Kirche."

Zwischen Selbstbewahrung und missionarischem Neuaufbruch

In einem Impulsvortrag beleuchtete Msgr. Dr. Bredeck die grundsätzliche Spannung zwischen dem liebgewonnenen Status Quo, den es in vielen Gemeinden gebe, und der Notwendigkeit zur Weiterentwicklung. "Manchmal ist der Wunsch, am Bestehenden festzuhalten, so stark, dass schon Nachfragen als Angriff erlebt werden", stellte er fest. "Dass das Erzbistum Paderborn seit der Veröffentlichung des Zukunftsbildes viel von Innovation und Weiterentwicklung spricht, wird manchmal als Beleidigung der bisherigen Praxis bewertet."

Msgr. Dr. Bredeck betonte, dass die Notwendigkeit kirchlicher Weiterentwicklung kein Selbstzweck sei, sondern eine Reaktion auf gesamtgesellschaftliche Entwicklungen, die auf den Glauben der Menschen zurückwirken. "Mit der zunehmenden Vernetzung der Welt steigt auch ihre Unübersichtlichkeit und Unberechenbarkeit. Das ist auch in der Kirche spürbar", sagte er. "Zweifellos fällt dies der Kirche, die auf 'maximale Stabilität' programmiert ist, besonders schwer." Obwohl Entwicklungen zum Kirche-Sein dazu gehörten, seien sie theologisch immer umstritten gewesen, fuhr der Leiter des Projektes Bistumsentwicklung fort. "Oft kommt auch der Verdacht auf, eine 'andere', 'neue' Kirche machen zu wollen. Solche Auseinandersetzungen werden wohl bleiben."

Als "Stärkung für den Weg des Zukunftsbildes" führte der Leiter des Projektes Bistumsentwicklung einige Grundaussagen aus dem Apostolischen Schreiben "Evangelii Gaudium" von Papst Franziskus vom November 2013 an. Der Papst wünsche eine "Kirche im Aufbruch", in der die "gewöhnliche Seelsorge offener und expansiver" werde und dem missionarischen Handeln der Kirche zugeordnet sei. "Wir müssen uns mit Papst Franziskus fragen: Dient das, was wir tun, der Evangelisierung der Welt oder der Selbstbewahrung?", so Msgr. Dr. Bredeck vor den Frauen und Männern des Diözesanpastoralrates. Von daher sei eine grundsätzliche kritische Überprüfung des pastoralen Handelns angesagt.

Im Juni 2015 hatte der Diözesanpastoralrat auf Bitten von Erzbischof Hans-Josef Becker beschlossen, zunächst bis zum Diözesanen Forum 2017 als "Begleit-, Resonanz- und Beratungsgremium" für den Prozess der Bistumsentwicklung im Erzbistum Paderborn zu fungieren. Seitdem tagt das Gremium zweitägig, um über wichtige Themen des Zukunftsbildes zu sprechen.


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