Detail - Zukunftsblick

Qualität motiviert!

16. Februar 2017

Betina Zimmermann, Leiterin des Teilprojekts "Wirksamkeit des pastoralen Handelns", gibt in einem Interview Auskunft zum Thema "Qualitätsentwicklung".

"ENT-WICKLUNG" lautete das Schwerpunktthema im neuen "Domblick", der Zeitschrift für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der erzbischöflichen Behörden. Bei diesem Schwerpunkt liegt es auf der Hand, dass es auch um das Zukunftsbild geht, das auf Diözesanebene eine Bistums-ent-wicklung und auf Ebene des Erzbischöflichen Generalvikariates eine Organisations-ent-wicklung ausgelöst hat. "Entwicklungs-arbeit" im Sinne des Zukunftsbildes leistet aber auch Betina Zimmermann. Als Leiterin des Teilprojektes "Wirksamkeit des pastoralen Handelns" kümmert sie sich um das Thema "Qualitäts-ent-wicklung". Ihre Arbeit wird im neuen "Domblick" ausführlich vorgestellt. Das Portrait beruht auf einem Interview, das wir nachfolgend veröffentlichen. 

Frau Zimmermann, wie wird man Teilprojektleiterin?

Dazu muss ich ein paar Worte zum Zukunftsbild sagen: Ich habe dadurch wieder richtig Lust bekommen, für meine Kirche zu arbeiten. Als ich mit 24 Jahren in den kirchlichen Dienst kam, war da dieses "Anfangsfeuer", das wohl jeder Berufseinsteiger kennt. Das ist bei mir durch das Zukunftsbild wieder richtig wach geworden. Das Thema Qualitätsentwicklung beschäftigt mich außerdem schon viele Jahre. Und ich dachte mir: Mit Mitte Fünfzig kann man ruhig nochmal richtig durchstarten. Lange Rede, kurzer Sinn: Also habe ich mich auf die Stelle als Teilprojektleiterin beworben. Am 1. Juli 2015 habe ich die Projektstelle dann mit fünfzig Prozent angetreten.

Wie würden Sie "Qualität" bzw. "Wirksamkeit" im Kontext des pastoralen Handelns definieren?

Genau das ist für mich eine total spannende Frage: Was heißt eigentlich Qualität? Was sind die Werte und Messgrößen für Qualität? Im Zukunftsbild stehen doch alle Kriterien drin für eine gute pastorale Arbeit, die wirksam und nachhaltig ist. Die Frage muss also sein: Fördert pastorales Handeln den persönlichen Glauben, das Weiterleben des Glaubens und die Begegnung mit Gott? Nehmen Sie die Hochfeste. Das sind echte Chancen, bei denen pastorales Handeln wirksam werden kann. Denn es kommen viele Leute - aus welchen Gründen auch immer. Oder denken Sie an Beerdigungen. In diesen hochsensiblen Situationen müssen wir es schaffen, ein Gefühl von Aufgehobensein und Hoffnung zu vermitteln. Das ist für mich Wirksamkeit. Qualität pastoralen Handelns lässt sich nicht nur in Zahlen messen.

Hat Qualität denn nicht auch etwas mit dem Angebot an Gottesdiensten oder etwa der Erreichbarkeit zu tun?

Natürlich ist auch Verlässlichkeit ein Qualitätskriterium, aber eben nicht nur. Qualität heißt, die Zielgruppen im Blick zu haben, ein Gespür zu entwickeln, was Menschen in ihren Lebenswelten brauchen. Wir haben die beste Botschaft, die man nur haben kann. Die Art der Vermittlung kann aber nicht für jeden Menschen gleich sein.

Was kann zu mehr Wirksamkeit verhelfen?

Für Qualität können nicht nur Hauptamtliche verantwortlich sein. Auch da zeigt das Zukunftsbild den Weg: Wir müssen uns an den Charismen orientieren. Wer kann was beitragen, weil er gut darin ist? Vielerorts sehe ich Pastoralteams, die an den Grenzen der Belastbarkeit arbeiten. Und davor ziehe ich den Hut! Wir werden aber künftig bewusst Schwerpunkte setzen müssen. Kirche kann kein "Tante-Emma-Laden" mehr sein. Wir müssen uns spezialisieren. Das Motto muss sein: Wir machen, das, was möglich ist. Und das machen wir gut!

Was sind Ihre bisherigen Erkenntnisse aus dem Projekt?

Die wichtigste Erkenntnis: Wirksamkeit - das geht! Sicher gibt es fördernde wie auch hindernde Faktoren. Aber die lassen sich klar benennen. Eine weitere wichtige Erkenntnis: Qualität betrifft alle Ebenen und muss unter dem gesamten Projekt Bistumsentwicklung im Grunde wie eine Folie liegen - nicht nur in den Gemeinden vor Ort. Das Thema "Qualitätsentwicklung" wird von vielen oft argwöhnisch betrachtet, weil man aufgrund der Verwendung des Begriffs in der freien Wirtschaft negative Assoziationen hat. Diese treffen aber auf die Pastoral überhaupt nicht zu. Wir haben doch hier eine ganz andere Grundlage! Teilweise habe ich noch das Gefühl, dass wir noch nicht sensibel genug sind, uns am Neuen zu freuen.

Welche Schritte oder Maßnahmen wurden bisher im Projekt angestoßen oder umgesetzt?

Ich habe eine Arbeitsgruppe gebildet mit Mitgliedern aus vielfältigen Kontexten. Dann gibt es Modellprojekte in den Pastoralverbünden Attendorn, Balve und Dortmund-Ost. Und ich habe am Werkbuch zum Zukunftsbild mitgearbeitet, das bei der Qualitätsentwicklung, aber auch bei der Aneignung des Zukunftsbildes unterstützen kann.

Wie lange geht das Projekt noch und wie geht es weiter?

Das Projekt endet am 30. Juni dieses Jahres. Und es ist gut, dass es ein Projekt ist und keine Dauerstelle. Ich sage das nicht, weil ich keinen Spaß daran hatte - im Gegenteil! Aber die Aufgabe war, Erkenntnisse zu sammeln. Und nach Ende des Projektes ist es an der Zeit, zu überlegen, wie damit umgegangen werden soll. Wenn als Ergebnis deutlich wird, dass Qualitätsentwicklung nichts bedrohlich Kontrollierendes ist, sondern motivieren und helfen soll, wäre ich sehr zufrieden.


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