Detail - Zukunftsblick

Begeisterung für Kirchenmusik in Erwitte

23. Januar 2017

(v.l.) Orgelbauer Dr. Bernard Aubertin, seine Mitarbeiterin Anke Saeger und Dekanatskirchenmusiker Ralf Borghoff.

Unter Anleitung von Anke Saeger und Bernard Aubertin (2. und 3. von links) konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer lernen, wie man eine Orgelpfeife baut.

"Orgelworkshop für Jung und Alt" lautete die Veranstaltung. Tatsächlich kamen Vertreter aller Generationen im Erwitter Laurentius-Heim zusammen.

Um Menschen für das Orgelspiel zu begeistern, wagt Ralf Borghoff, Dekanatskirchenmusiker im Dekanat Lippstadt-Rüthen, auch ungewöhnliche Experimente. Jetzt lud er zu einem "Orgelworkshop für Jung und Alt" nach Erwitte ein. Die Teilnehmer hatten Gelegenheit, selbst eine Orgelpfeife zu bauen.

Gottesdienste ohne Orgelspiel - da würde etwas fehlen. Für Ralf Borghoff, Dekanatskirchenmusiker im Dekanat Lippstadt-Rüthen, sind die Zukunft der Kirchenmusik und der Nachwuchs an Organisten deshalb wichtige Themen. Um Menschen für das Orgelspiel zu begeistern, wagt er auch ungewöhnliche Experimente. Jetzt lud er Kirchenmusiker, Orgel-Schüler und alle Interessierten zu einem "Orgelworkshop für Jung und Alt" nach Erwitte ein. Die Teilnehmer hatten Gelegenheit, selbst eine Orgelpfeife zu bauen und so Kirchenorgeln noch tiefer verstehen zu lernen. Gefördert wurde der Workshop aus Mitteln des Fonds "Neue Projekte zur Umsetzung des Zukunftsbildes". 

26 Frauen und Männer trafen sich vom 20. bis 22. Januar 2017 im Erwitter Laurentiusheim, um bei dem Experiment mitzumachen. Auch Jugendliche waren dabei: 13 Jahre alt war der jüngste Teilnehmer. Ralf Borghoff freute sich außerdem über die Teilnahme von C-Kurs-Schülern sowie mehrerer Kirchenmusiker aus dem Pastoralverbund Rüthen. Als Lehrer stand ihnen der berühmte und vielfach ausgezeichnete französische Orgelbauer Dr. Bernard Aubertin zur Verfügung, der die 2016 eingeweihte Orgel in der Erwitter Pfarrkirche St. Laurentius gebaut hatte.

Erwitte besitzt die erste und bisher einzige Aubertin-Orgel in ganz Deutschland und war nun auch Schauplatz des ersten "Orgelbau-Workshops", den der Meister aus Courtefontaine im französischen Jura jemals angeboten hat. Im ehemaligen Klostergebäude, in dem sich seine Werkstatt befindet, stellte Aubertin zusammen mit seiner Mitarbeiterin Anke Saeger in Handarbeit kleinste Einzelteile für den Workshop her. Diese filigrane Arbeit nahm eine ganze Woche in Anspruch.

Der Workshop begann mit einer Einführung in die prachtvolle neue Orgel der Pfarrkirche St. Laurentius. Bernhard Aubertin erläuterte den Zuhörerinnen und Zuhörern seine Philosophie, nach denen er seine Orgeln baut. "Erstes Ziel einer Orgel sollte es sein, die Herzen der Menschen zu erreichen", sagte er. "Und zweitens sollte sie den Eindruck erwecken, dass sie ganz natürlich in eine Kirche hineinpasst." Um diese Ziel zu erreichen, legt er beim Orgelbau jene Verhältnisse zugrunde, die sich in der so genannten Fibonnaci-Zahlenfolge ausdrücken. "Das sind Verhältnisse, die sich im menschlichen Körper, in Pflanzen, überall in der Natur wiederfinden", so Aubertin. Baumeister des Mittelalters, die oft nicht schreiben und rechnen konnten, hätten sich ebenfalls dieser Methode bedient, erklärte er. "Heute verwende ich sie für meine Orgeln, und sie erwecken dann den Eindruck, dass sie schon immer im Kirchenraum gestanden hätten."

Nachdem Ralf Borghoff den Klang der Orgel vorgeführt hatte, begann im Laurentiusheim der praktische Teil des Workshops: Unter Anleitung von Bernhard Aubertin und Anke Saeger begannen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer damit, aus vielen kleinen Einzelteilen Doppelholzpfeifen herzustellen, die am Ende in der Lage waren, einen Kuckucks-Ton von sich zu geben. Insgesamt 50 Orgelpfeifen entstanden auf diese Weise bis Sonntag. Die 26 Frauen und Männer besuchten außerdem das Orgelmuseum Borgentreich und erhielten viele begleitende Informationen, etwa über Berufe im Umfeld des Orgelbauens oder Angebote des Erzbistums Paderborn rund um das Thema "Orgel". Außerdem erhielten sie Gelegenheit, sich selbst an der Aubertin-Orgel in der Pfarrkirche auszuprobieren.

"Wir wollen unsere schöne Orgel in Erwitte nutzen, um die Kirchenmusik in unseren Gemeinden voranzubringen und junge Leute dafür zu interessieren ", so Ralf Borghoff über die Idee des Workshops. "Ich denke, es ist im Sinne aller, dass unsere Gottesdienste auch künftig von Orgelmusik begleitet werden. Für dieses Ziel haben wir bei uns im Dekanat viel ausprobiert und tun dies auch weiterhin - wie jetzt mit diesem Workshop."


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