Detail - Zukunftsblick

Wenn Maria, Josef und die Hirten das eigene Gesicht tragen

21. Dezember 2016

(v.l.) Markus Rediger, Andreas Metken und Ludger Büngener mit zwei Krippenfiguren aus Spiegelglas: Josef und Esel.

Mit viel Liebe zum Detail geben (v.l.) Ludger Büngener, Andreas Metken, Reinhild Rediger und Ray Kettrup einer Krippenfigur den letzten Schliff.

Geplant und gefeilt wird an der Krippe bis zum Heiligen Abend: (v.l.) Ray Kettrup, Reinhild Rediger, Markus Rediger, Ludger Büngener und Andreas Metken im Gespräch.

In der Pfarrkirche St. Katharina in Unna stehen in diesem Jahr Krippenfiguren aus Spiegelglas

Zahlreiche helfende Hände sorgen dafür, dass die Kirchen im Erzbistum Paderborn rechtzeitig zum Heiligen Abend festlich erstrahlen. Was natürlich niemals fehlen darf: die Krippe, die meist mit viel Liebe zum Detail aufgebaut wird. Das ist auch in der Pfarrei St. Katharina in Unna so. Die Art der Krippendarstellung dürfte aber einzigartig im Erzbistum sein: Sieben ehrenamtlich engagierte Frauen und Männer haben 16 lebensgroße Krippenfiguren aus Spiegelglas entworfen. In den Gottesdiensten an den vier Adventssonntagen wurden bereits einzelne Figuren präsentiert und zum Thema gemacht. In der Heiligen Nacht werden sie dann mit weiteren Figuren zur Krippe zusammengefügt.

Besondere Krippen haben in Unna inzwischen Tradition. "Wir waren mit einer Gruppe aus der Pfarrei in Israel und haben die Orte der Weihnachtsgeschichte selbst erlebt", so Ludger Büngener, Dekanatsreferent im Dekanat Unna und ehrenamtlich in St. Katharina engagiert. "Seitdem haben wir nicht mehr darüber hinweg sehen können, wie wenig unsere traditionellen Krippendarstellungen mit dem wirklichen Bethlehem zu tun haben. Sie erinnern meistens eher an den Schwarzwald als ans Heilige Land", sagt er mit einem Augenzwinkern. Für das erste Krippenprojekt vor drei Jahren hat man die klassischen Krippenfiguren der Pfarrei aus ihrem "Schwarzwaldhaus" herausgeholt und auf die Balustrade im Altarraum gestellt.

Und nun also Figuren aus Spiegelglas. "Die Idee ist uns schon im Sommer gekommen", sagt Markus Rediger, ein Mitglied der Krippenbauer. "Wir wollten nicht mehr auf unsere bisherigen Krippenfiguren zurückgreifen, sondern etwas Neues bauen. Die Idee war, dass die Menschen sich in den Figuren selbst wiedererkennen sollen. So entstand die Idee mit den Spiegeln." Andreas Neumann, ein weiteres Mitglied der Gruppe, entwarf die Figuren auf dem Zeichenbrett. Von einer externen Firma wurden diese dann per Wasserstrahl aus den Spiegeln ausgeschnitten.

Bei insgesamt 16 Figuren liegt es auf der Hand, dass es in der Unnaer Krippe mehr Personen gibt als diejenigen, die man aus dem Weihnachtsevangelium kennt. Maria ist zum Beispiel zwei Mal vorhanden: für den dritten Adventssonntag (Gaudete) als tanzende Maria, die das Magnificat "singt", für den vierten Adventssonntag als schwangere Maria an der Seite von Josef. Johannes der Täufer ist ebenfalls dabei und hat nach der Vorstellung im Adventsgottesdienst seinen Platz am Taufbecken gefunden. Zum Krippenensemble zählt auch eine Gruppe von Kindern, die Ausschau nach dem Stern halten - schließlich sollen sich auch die kleinen Kirchenbesucher im Weihnachtsgeschehen wiederfinden können. Nicht zuletzt wird auch Papst Franziskus, der als er selbst gut zu erkennen ist, als "Hirte" seinen Platz in der Krippe finden.

Alle gläsernen Krippenfiguren sind mit dezenten Attributen versehen worden. Rote Glasperlen an Bauch und Herz deuten zum Beispiel Marias Schwangerschaft an, Josef als Zimmermann hält eine Säge im Arm. Der Hirte hat einen großen Stab in der Hand, der König (stellvertretend für die heiligen drei Könige) bunte Glasperlen in seiner Krone. Reinhild Rediger und Andrea Steinriede haben zudem für jeden Adventssonntag ein Bild gestaltet, auf dem die zentralen Botschaften des Evangeliums zu lesen sind: "Kehrt um!" oder "Immanuel". Andrea Steinriede hat zudem zu jeder Krippenfigur geistliche Texte verfasst, die in der Kirche ausliegen, so dass man auch außerhalb der Gottesdienste Impulse erhalten kann. "In das Projekt bringt jeder seine Fähigkeiten ein", so Andreas Metken. "In unserer Gruppe kommen technische, künstlerische und geistliche Talente zusammen".

Im Advent traf sich das Vorbereitungsteam an jedem Samstag in der Kirche, um Figuren und Kirche für den Sonntagsgottesdienst vorzubereiten. "Viele Ideen entstanden erst im Prozess", so Ray Kettrup. "Auch für die Zusammenführung der Krippe am Heiligen Abend werden wir vermutlich spontan noch viele Ideen haben." Fest steht allerdings, dass die Figuren nicht auf Stroh, sondern auf rotem Samt stehen werden. Statt einem Stall werden zwei große Kamele das Figurenensemble rechts und links flankieren und so der Krippe einen äußeren Rahmen geben.

Bei so viel liebevoller Gestaltung versteht es sich von selbst, dass die Krippe am Heiligen Abend nicht einfach unkommentiert in der Kirche stehen wird. "Es wird eine Vorfeier geben, die den Übergang vom Advent in die Heilige Nacht gestaltet und in der die Krippe Thema ist", so Ludger Büngener. "Im Mittelpunkt wird jene Lesung aus dem Alten Testament stehen, die davon erzählt, wie Mose im brennenden Dornbusch Gott begegnet und ihn sagen hört: 'Leg deine Schuhe ab; denn der Ort, wo du stehst, ist heiliger Boden.'" In diesem Sinne wolle man die Krippe verstanden wissen: "Auch wir ziehen die Schuhe aus, treten ein in die Gegenwart Gottes und werden durch die Geburt von Gottes Sohn ein Teil davon. Wie es in dem berühmten Wort des Dichters Angelus Silesius heißt: 'Und wäre Christus tausendmal in Bethlehem geboren, und nicht in dir: Du bliebest doch in alle Ewigkeit verloren'."

Die Krippe aus St. Katharina Unna wurde aus den Mitteln des Fonds "Neue Projekte zur Umsetzung des Zukunftsbildes" finanziell gefördert. 


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