Detail - Zukunftsblick

"Wie bleibt die Kirche im Dorf?"

06. Dezember 2016

Das Podium auf der Verbandsvertreterversammlung des Gemeindeverbandes Hellweg in Lippetal-Oestinghausen.

Die Zukunft der insgesamt 3.000 Immobilien in den Pastoralen Räumen war Thema auf den beiden Verbandsvertreterversammlung der Gemeindeverbände Hellweg und Hochsauerland-Waldeck.

Im Sommer 2016 veröffentlichte das Erzbistum Paderborn das Diskussionspapier "Die Aufgabe von Gebäuden", um die Pastoralen Räume dazu anzuregen, über die Zukunft ihrer insgesamt 3.000 Immobilien nachzudenken. Dieser Impuls war Thema auf den beiden Verbandsvertreterversammlungen der Gemeindeverbände Hellweg und Hochsauerland-Waldeck, die im November stattfanden. Auf den Podien diskutierten Mitglieder der Bistumsleitung, Pfarrer, Kirchenvorstände und Vertreter der Kommunen. Die Überschrift lautete: "Wie bleibt die Kirche im Dorf?"

Ein Kirchengebäude sei natürlich prägend, sagte Pfarrer Ludger Poggel aus Hamm zu den rund 100 Teilnehmern an der Verbandsvertreterversammlung des Gemeindeverbandes Hellweg in der Gemeinschaftshalle in Lippetal-Oestinghausen. Letztlich bestimmten jedoch die Menschen das Bild der Kirche in der Öffentlichkeit. Der Geistliche weiß, was es heißt, ein Kirchengebäude aufzugeben: Die Pauluskirche in Hamm wird 2017 abgerissen. Er konnte aber auch von positiven Erfahrungen berichten, die eine zeitgemäße Umgestaltung mit sich bringen. So ist die Hammer Liborius-Kirche zu einer barrierefreien Familienkirche geworden. "Aber ich bin vor 25 Jahren angetreten, Kirchen zu füllen und nicht, um sie zuzumachen", beschrieb Poggel seinen ganz persönlichen Zwiespalt.

Dirk Wummel, Leiter der Hauptabteilung Finanzen im Erzbischöflichen Generalvikariat Paderborn, präsentierte aktuelle Zahlen: "Es gibt eine Überkapazität von rund 25 Prozent bei den Kirchenplätzen", sagte er. Sein nüchternes Fazit lautete: "Immobilien ohne Aufgabe sind sinnlos."

Prälat Thomas Dornseifer, Leiter der Hauptabteilung Pastorale Dienste im Erzbischöflichen Generalvikariat, formulierte dies in ähnlicher Weise auf der Verbandsvertreterversammlung des Gemeindeverbandes Hochsauerland-Waldeck. "Wir brauchen neue Strukturen, die auf vernünftigen Entscheidungen basieren - und die gleichzeitig den Bedürfnissen der Gläubigen vor Ort gerecht werden", sagte er in der Schützenhalle in Wehrstapel. "Das Erzbistum Paderborn ist zu vielschichtig, als dass wir die Entscheidungen über Gottesdienstbesucher und andere Kennenzahlen herbeiführen wollen. Jeder Pastorale Raum muss selbst entscheiden, welcher Weg für ihn der Richtige ist. Als Erzbistum Paderborn werden wir uns nicht aus der Verantwortung stehlen und bei den Fragen Hilfestellung leisten, wo das notwendig oder gewünscht ist. Von Paderborn aus wird es keinen Druck geben, um irgendwelche Entscheidungen herbeizuführen."

Einig waren sich die Gäste auf dem Podium, dass es auch in Zukunft für die Kirchengemeinde einen Ort brauche, an dem der Glaube gelebt werden kann. "In einigen Bereichen unserer Stadt ist es heute schon so, dass wir uns als Kirche schon deshalb nicht zurückziehen dürfen, weil es sonst überhaupt kein Angebot mehr für die Menschen vor Ort gibt", beschrieb Pfarrer Matthias Boensmann seine Erfahrungen aus Dortmund. Gleichzeitig gelte es zu verhindern, dass Gemeinden ausbluten, weil das vorhandene Geld ausschließlich zum Erhalt der Gebäude eingesetzt werden müsse: "Oftmals ist die Entscheidung ein schmaler Grat zwischen Emotion und Vernunft."

Den möglichen Weg in die Zukunft skizzierte Kirchenvorstandsmitglied Ludger Becker aus Bestwig: Seine Gemeinde habe das Pfarrheim aufgeben müssen, weil die Kosten für Betrieb und Sanierung zu hoch gewesen seien. "Der Weg zu dieser Entscheidung war natürlich nicht leicht. Trotzdem können wir im Rückblick sagen, dass dieser Schritt richtig gewesen ist." Die Gemeinde habe unter der Kirche einen passenden Raum gefunden, der alle Voraussetzungen für Gemeindeleben biete: "Mittlerweile wird der Raum auch von Gruppen genutzt, die wir als Kirche lange Zeit nicht erreichen konnten. Auch deshalb fühlen wir uns auf unserem Weg bestätigt."


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