Detail - Zukunftsblick

"Fürchtet euch nicht" (Mt 10.24)

15. September 2015

Das Zukunftsbild für das Erzbistum Paderborn stand im Mittelpunkt des Dekanatstages.

Im Rahmen des Dekanatstages wurde ein Gottesdienst gefeiert, dem Dechant Werner Wegener vorstand.

Am Dekanatstag nahm auch die bekannte Autorin Andrea Schwarz teil.

Insgesamt 160 Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen zum Dekanatstag.

Die Bibelstelle aus dem Matthäus-Evangelium wurde immer wieder zum Dreh- und Angelpunkt des Dekanatstages im Dekanat Siegen.

Siegen. "Begegnung von Aktiven und am Glauben und der Zukunft der Kirche Interessierten im Dekanat Siegen" - schöner hätte die Beschreibung des Dekanatstages des Dekanats Siegen kaum lauten können. Das "Zukunftsbild für das Erzbistum Paderborn" in seiner Ausrichtung und seiner Bedeutung für die Zukunft der Kirche vor Ort stand im Blickpunkt der Veranstaltung, zu der Dekanatsreferent Hermann-Josef Günther 160 Teilnehmer in Siegen begrüßen konnte.

"Fürchtet Euch nicht" - die Bibelstelle aus dem Matthäus-Evangelium "Jesus geht über das Wasser" (Mt 10,24) wurde immer wieder zum Dreh- und Angelpunkt des Dekanatstages. "Fürchtet Euch nicht nicht" - den Glauben zu vertreten, etwas Neues zu wagen, auf die Menschen zuzugehen. Das "Zukunftsbild für das Erzbistum Paderborn" lässt hier viel Spielraum, Experimente zu wagen oder die Kirche vor Ort auf die jeweiligen Verhältnisse anzupassen.

Mut machende Impulse versprühte gleich zu Beginn Schriftstellerin Andrea Schwarz, die aus dem Emsland angereist war und die Zuhörer als Querdenkerin mit überraschenden Gedanken in ihren Bann zog. "Der Wind", so Andrea Schwarz, "bläst uns ähnlich wie den Jüngern damals auch kräftig ins Gesicht. Und dann erscheint Jesus auf dem See, der für die Jünger aussieht wie ein Gespenst. Ist es nicht auch für uns so, dass uns etwas Angst macht, was wir nicht erkennen oder kennen?"

Das habe man noch nie so gemacht, sei auch in deutschen Pfarrhäusern ein häufiges Argument, etwas abzulehnen. "Doch, was wäre gewesen, wenn auch Maria das Neue gescheut hätte", stellte Andrea Schwarz zur Diskussion. Zugleich forderte sie zu noch mehr Mut auf. Ihre Geschichten aus dem Leben veranschaulichten ihre Impulse stets deutlich. So sei ihr ein Insel-Urlaub im Sinn geblieben, bei dem die Einheimischen zur Sommerzeit auf die Touristenströme geschaut und ausgerufen hätten: "Es ist Pfingsten, da kommen die Verrückten wieder".

Pfingsten sei damals zu den Anfängen der Christenzeit nicht anders gewesen. "Die Verrückten" hätten - berührt vom heiligen Geist - für Aufsehen gesorgt. "Aber heute sagt es keiner über uns Christen, weil wir alle froh sind, wenn alles normal und ruhig abläuft", so Andrea Schwarz. "Hilft uns verrückt sein nicht auch heute weiter? Wenn wir Pfingsten ernst nehmen, müssten wir wirklich etwas anders sein. Denn so hat es damals eigentlich mit der Kirche angefangen."

Einer Idee oder Vision folge die Gemeinschaft, dann werde ein Programm gemacht und schließlich entstehe eine Organisation oder Verwaltung. "Doch die Idee vergisst man schnell, es bleibt erst noch die Gemeinschaft, dann stirbt auch das Programm. Aber es bleibt die Verwaltung. Was tun wir, um die Idee und Vision wieder zu erneuern? Das ist eine lebendige Kirche, die mit Begeisterung anfängt", mahnte Andrea Schwarz an und stellte die Frage in den Raum: "Haben wir noch Visionen?"

Andrea Schwarz ermunterte ihre Zuhörer zudem, so zu leben, dass andere mitbekommen, was den eigenen Glauben bewegt und belebt. Sie sagte: "Einladungen zur Kirche sind gut, aber ist es nicht viel spannender nach außen zu gehen, dort wo die Menschen auf Euch warten?" Christsein solle im Alltag gezeigt und gelebt werden. "Aufbruch ist der Weg ins Ungewisse. Haben Sie Mut loszugehen. Machen Sie sich neu auf den Weg, vielleicht sogar 'verrückte Sachen' machen, die sich an der ursprünglichen Vision orientieren."

Die genauen Inhalte seien ihnen noch mäßig bekannt, gestanden einige Teilnehmer des Workshops "Zukunftsbild für das Erzbistum Paderborn", den Gemeindeberater Christoph Schüttler leitete. Einstellung und Haltung zu ändern, sei ein Anliegen des "Zukunftsbildes", so Schüttler, der "Vertrauen haben und Neues wagen" als zentrale Rollen herausstellte. Christoph Schüttler: "Die Mitarbeit in einer Kirchengemeinde ist immer pastorale Arbeit, egal ob man Lektor ist oder die Kirche ausfegt. Beide Typen sind auf ihre Art wichtig."

Um den Teilnehmerinnen und Teilnehmern das "Zukunftsbild" näher zu bringen, zitierte er den Apostel Paulus, der das Berufsgeschehen und das Engagement der Christen mit Tätigkeit von Gärtnerinnen und Gärtnern im "Garten Gottes" verglich. "Welcher Typ von Gärtner sind Sie? Der paulinische Gärtner, der gern pflanzt und innovativ ist? Oder eher der apollinische Typ, der pflegt und für Kontinuität sorgt?" Das "Zukunftsbild" mit dem Grundgedanken des Ermöglichens lasse beides zu.

"Fürchte Dich nicht" - ein Zitat, das über 100 Mal in der Bibel vorkommt, stand auch im Blickpunkt des Workshops "Kirchen Entwicklung" mit Georg Borgschulte und Alexander Müller. Die beiden Referenten stellten die Frage nach Ängsten und Befürchtungen in Bezug auf die Gemeindearbeit. Leben aus dem Christentum, Sendung, Nachbarschaft, Verbundenheit, Charismenorientierung und Partizipation seien sechs wesentliche Merkmale für den Lernweg der Kirche in die Zukunft. "Diese lokale Kirchenentwicklung spiegelt sich mit den Ideen vom Zukunftsbild", so Alexander Müller.

Dechant Werner Wegener dankte am Ende allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern für das produktive Miteinander und den vielen Impulsen. "Ich hoffe, dass Sie alle gestärkt in den Alltag zurückkehren."

Zitate aus den Impulsen von Andrea Schwarz:

"Die Hauptamtlichen müssen zu Charismen-Schnüfflern der Mitchristen werden."

"Wenn das Navigationsgerät meldet 'Sie sind noch nicht am Ziel angekommen', bleibt es hartnäckig, uns auf den rechten Weg zu führen - da hat es mit Gott viel gemeinsam."

"Die Pfarrei ist heute ein Teambetrieb."

"Wenn man etwas verbreiten will, braucht man Ameisen, die das Kleine und Unscheinbare im Verborgenen tun."

"Wir brauchen das Kleingeld unseres Glaubens, um damit arbeiten zu können."

 

Auch im Dekanat Märkisches Sauerland hat kürzlich ein Dekanatstage zum Zukunftsbild stattgefunden. Ein Bericht findet sich hier.

 

 


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